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Sonntag, 30. Oktober 2011

Der Held

Der Held

... ein Pferd - man hört es in der Ferne traben
jetzt kommt es näher - ein weisses Ross
im Sattel sitzt er - der Held
man sieht zwei Augen strahlen
... wie Sonne die Sonne so hell - ein Held

... sein Blick - stets ohne Furcht
makellos - ein Abbild der Reinheit - ein Held
ein Herz wie Gold.
Sein Wesen klar wie ein Bergkristall - ein Held

... er - das reine Gewissen -
voller Klugheit, Großmuth und Stärke
Du wartest auf ihn
- er wird kommen - auch zu Dir - der Held

Tugend, Würde und Wahrheit
... nur er kann bestehen - der Held
die Wunden verheilen an seinen Schultern
Lob, Ruhm und Ehre für ihn - den Held

... ist der Gegner noch so stark
er darf nicht untergegen. Er wird gewinnen - der Held
auch wenn sich die Welt verdunkelt,
er ist das Licht - der Held

... doch auch der Fromme, der Heilige
wird einst liegen mit milchweißen Gesicht - der Held
wenn seine Zeit ist gekommen -
das Weinen verstummt - die Tränen trocknen
vergessen - armer Held


Jean Pierre Giordano
2011

Dienstag, 4. Oktober 2011

Beim Abschied

Beim Abschied

Wirst Du in der Ferne mein gedenken,
Wenn die Welt geräuschvoll Dich zerstreut?
Wirst Du oft mir stille Stunden schenken,
Der Erinnrung unsres Glücks geweiht?

Wird kein neues Band mir Dein Vertrauen,
Keines Deine Liebe mir entziehn?
Kann ich ganz auf Deine Treue bauen,
O so nimm mein Herz auf ewig hin!

Immer bleibt es zärtlich Dir ergeben,
Auch wenn nie mein Blick Dich wiedersieht.
Wenn getrennt von Dir mein trübes Leben
Wie ein Seufzerhauch vorüber flieht.

Ach so viele heucheln nur Gefühle
Einer nie gekannten Innigkeit;
Und in dem zerstreuenden Gewühle
Endet schnell der Schwur der Ewigkeit.

Darum will ich nicht Dir Treue schwören,
Aber fest und liebend halt' ich sie,
Und die Zukunft soll Dir ewig lehren
Deiner Freundin Herz vergisst Dich nie.


Charlotte von Ahlefeld

Sonntag, 2. Oktober 2011

Sunt animae rerum

Sunt animae rerum

*** Thomas von Aquino


Ein gutes Wort musst du im Herzen tragen,
Und seinen Wert enthüllt dir eine Stunde:
Stets dringt dein Aug' nicht nach des Meeres Grunde,
An trüben tiefer als an hellen Tagen.

Zuweilen gibt ein lichter Blick dir Kunde
Von Herzen, die in toten Dingen schlagen,
Und wenn du nur verstehest, recht zu fragen,
Erfährst du manches auch aus stummem Munde.

Drum flieh aus deinem Selbst, dem starren, kalten,
Des Weltalls Seele dafür einzutauschen,
Lass dir des Lebens wogende Gewalten,

Genuss und Qualen, durch die Seele rauschen,
Und kannst du eine Melodie erlauschen,
So strebe, ihren Nachhall festzuhalten!

Hugo von Hofmannsthal
(1890)



Sunt animae rerum = Es gibt Herzen der Dinge

umgangssprachlich: Dinge haben eine Seele

Herbst

Herbst

Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Auch die Lerche singt nicht mehr.

Seufzend in geheimer Klage
Streift der Wind das letzte Grün;
Und die süßen Sommertage,
Ach, sie sind dahin, dahin!

Nebel hat den Wald verschlungen,
Der dein stillstes Glück gesehn;
Ganz in Duft und Dämmerungen
Will die schöne Welt vergehn.

Nur noch einmal bricht die Sonne
Unaufhaltsam durch den Duft,
Und ein Strahl der alten Wonne
Rieselt über Tal und Kluft.

Und es leuchten Wald und Heide,
Dass man sicher glauben mag,
Hinter allem Winterleide
Lieg' ein ferner Frühlingstag.

Theodor Storm
(Erstdruck 1847/48)


Zu dem Dichter: ich mag Theodor Storm sehr. Er ist zwar als schwarze düstere Seele verschriehen, nur wenn man näher liest endteckt man, dass er Schönheiten in Dingen und Situationen mit wenigen Worten gut traf.

Freitag, 23. September 2011

Neue Liebe, neues Leben

Neue Liebe, neues Leben

Herz, mein Herz, was soll das geben?
Was bedränget Dich so sehr?
Welch ein fremdes neues Leben!
Ich erkenne Dich nicht mehr.
Weg ist alles, was Du liebtest,
Weg, warum Du Dich betrübtest,
Weg Dein Fleiß und Deine Ruh' -
Ach, wie kamst Du nur dazu!

Fesselt Dich die Jugendblüte,
Diese liebliche Gestalt,
Dieser Blick voll Treu und Güte
Mit unendlicher Gewalt?
Will ich rasch mich ihr entziehen,
Mich ermannen, ihr entfliehen,
Führet mich im Augenblick,
Ach, mein Weg zu ihr zurück.

Und an diesem Zauberfädchen,
Das sich nicht zerreißen lässt,
Hält das leibe lose Mädchen
Mich so wider Willen fest;
Muss in ihrem Zauberkreise
Leben nun auf ihre Weise.
Die Veränderung, ach, wie groß!
Liebe! Liebe! Lass mich los!


Johann Wolfgang von Goethe

Reglos

Reglos

Als er sich
mit Worten
keine Luft mehr
machen konnte,
da
begann er schon
an seinem Schweigen
zu ersticken.

B.Tomm

Dienstag, 6. September 2011

Verzichte

Verzichte von B.Tomm

Neben dem akuten
greift leider auch
der chronische
Denkverzicht
immer weiter um sich.

Bei wem
lassen SIE denken?

Samstag, 3. September 2011

Aufbruchstimmung durch "Mahomets Gesang"

J.W. Goethe Mahomet's Gesang


Seht den Felsenquell,

Freudehell,

Wie ein Sternenblick;

Über Wolken

Nährten seine Jugend

Gute Geister

Zwischen Klippen im Gebüsch.



Jünglingsfrisch

Tanzt er aus der Wolke

Auf die Marmorfelsen nieder,

Jauchzet wieder

Nach dem Himmel.



Durch die Gipfelgänge

Jagt er bunten Kieseln nach,

Und mit frühem Führertritt

Reißt er seine Bruderquellen

Mit sich fort.



Drunten werden in dem Tal

Unter seinem Fußtritt Blumen,

Und die Wiese

Lebt von seinem Hauch.



Doch ihn hält kein Schattental,

Keine Blumen,

Die ihm seine Knie umschlingen,

Ihm mit Liebesaugen schmeicheln:

Nach der Ebne dringt sein Lauf

Schlangenwandelnd.



Bäche schmiegen

Sich gesellig an. Nun tritt er

In die Ebne silberprangend,

Und die Ebne prangt mit ihm,

Und die Flüsse von der Ebne

Und die Bäche von den Bergen

Jauchzen ihm und rufen: "Bruder!

Bruder, nimm die Brüder mit,

Mit zu deinem alten Vater,

Zu dem ewgen Ozean,

Der mit ausgespannten Armen

Unser wartet

Die sich, ach! vergebens öffnen,

Seine Sehnenden zu fassen;

Denn uns frißt in öder Wüste

Gierger Sand; die Sonne droben

Saugt an unserm Blut; ein Hügel

Hemmet uns zum Teiche! Bruder,

Nimm die Brüder von der Ebne,

Nimm die Brüder von den Bergen

Mit, zu deinem Vater mit!"



Kommt ihr alle!

Und nun schwillt er

Herrlicher; ein ganz Geschlechte

Trägt den Fürsten hoch empor!

Und im rollenden Triumphe

Gibt er Ländern Namen, Städte

Werden unter seinem Fuß.

Unaufhaltsam rauscht er weiter,

Läßt der Türme Flammengipfel,

Marmorhäuser, eine Schöpfung

Seiner Fülle, hinter sich.



Zedernhäuser trägt der Atlas

Auf den Riesenschultern; sausend

Wehen über seinem Haupte

Tausend Flaggen durch die Lüfte,

Zeugen seiner Herrlichkeit.



Und so trägt er seine Brüder,

Seine Schätze, seine Kinder

Dem erwartenden Erzeuger

Freudebrausend an das Herz.

für alle die es nicht wußten : Goethe hatte an der Arabischen und islamischen Welt einen gewissen Gefallen gefunden